Es ist kalt. Trotz aller Tricksereien mit der Zeitumstellung: es ist einfach früher dunkel draussen und es wird später hell. Der Schwung ist weg, mit dem in der helleren und wärmeren Jahreszeit mühelos die Joggingrunde, die stundenlange Bergwanderung oder Radltour absolviert und dazu noch genossen wurden. Der innere Schweinehund ist ständiger Begleiter, man quält sich aus dem Bett und sehnt sich nach dem Sofa. Stressfolgen? Ist ein Infekt im Anmarsch? Fehlen Nährstoffe, Mineralien, Vitamine? Meist ist es eine Mischung aus allem- die Chinesische Medizin kann Ihnen aber da vielleicht ein wenig über die kalten und dunklen Runden helfen:
1. tagsüber Licht/abends Dunkelheit - sorgen Sie für beides, denn tendenziell bewirkt Lichtmangel einen Mangel an wärmender, belebender Yang-Energie. Gehen Sie an die frische Luft, aber gut eingepackt. Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung in Wohnung und Arbeitsplatz, und im Schlafzimmer soll es dunkel sein. Der Blick aufs Handy bringt den Organismus nachts dann wieder in der Fast-Einschlafphase in Richtung Tag-Modus.
Das ist auch der ‚rote Faden‘, den man aus TCM-Sicht beachten sollte. Der Winter bedeutet wenig Yang in der Natur, also sollten wir in jeder Hinsicht darauf achten, dass wir warm bleiben und werden. Vermeiden Sie alles Kalte und respektieren Sie, dass der gesamte Organismus sich jetzt für ein paar Monate zurückzieht! Dann erreichen Sie auch kraftvoll und gesund das nächste Frühjahr.
2. Warmes Essen- machen Sie einen grossen Bogen um Rohkost und bevorzugen Sie warme Suppen, Eintöpfe, gekochtes oder gedünstetes Gemüse. Auch die Zitrusfrüchte sind nicht optimal, obgleich sie so viel Vitamine enthalten: sie wirken erfrischend- aber der saure Geschmack kühlt heftig ab! Und wenn der Organismus insgesamt zu kalt ist, können auch die besten Vitamine und Nährstoffe nur sehr schwer aufgenommen werden. Also besser Kompott, Bratäpfel, vielleicht mit Zimt?
3. Bewegung erwärmt - ‚wer rastet der rostet‘. Es muss ja nicht der stundenlange Lauf sein, aber jeden Tag eine halbe Stunde etwas strammer spazieren gehen, bringt Dynamik, hält die Muskulatur auf Trab und stabilisiert die Körperwärme.
4. Vitaminmangel - eigentlich gibt es den bei einigermassen gesunden Menschen in unseren Breiten nicht. Es sei denn, eine chronische Krankheit verhindert die Aufnahme dieser Stoffe. Auch einen Vitamin-D-Vorrat haben Sie sich höchstwahrscheinlich im Sommer zugelegt - es sei denn, Sie waren ausschliesslich in geschlossenen Räumen? Alle aktuellen Theorien, auch die Relevanz von Blutwerten dazu sind äusserst umstritten. Ernähren Sie sich abwechslungsreich, essen Sie vielleicht auch etwas mehr Fisch - dann werden kleine Defizite ausgeglichen!
Nebenbei: mehr über den ‚Faktor Zeit‘ können Sie in unserem Buch ‚Die Organuhr‘ nachlesen...Leben Sie mit der Zeit!
Impfungen
Kaum ein Thema wird mit derartiger Leidenschaft kontrovers diskutiert wie die ‚Impffrage‘. Nicht nur seit Corona, das uns noch lebhaft in Erinnerung ist. Aktuell jetzt gerade, wenn für die alljährliche Grippeimpfung geworben wird. Meine Ansicht dazu: es handelt sich um eine Entscheidung über ein mögliches Erkrankungsrisiko, das ein Jede/r für sich selber einschätzen muss. Jeder kann erkranken, jeder kann gesund werden, aber es gibt auch die Gefahr für ernsthafte und dauerhafte Schäden. Ein statistischer Wert, aber er kann schon Angst/Unbehagen auslösen. Aus Sicht der TCM ist das Risiko grösser für Menschen, die eine geringe Abwehrkraft (Wei Qi) haben. Problem ist, dass auch diese vielleicht ein grösseres Risiko haben Nebenwirkungen der Impfung zu erleiden! Häufig habe ich mit Patienten zu tun, die gerade die Impfungen nicht vertragen haben. Aber: mit Hilfe der TCM lässt sich die Kraft des Abwehr-‐Qi abschätzen, und vor allem ist es möglich, die negativen Folgen einer Impfung abzufangen. Es handelt sich um ‚pathogene Energien‘, die dann ausgeleitet werden können mit Akupunktur , Guasha, Schröpfen und chinesischen Kräutern z.B.
Winterzeit: Nicht nur Kälte kann uns zusetzen!
Man möchte meinen, dass im Winter die Kälte das grösste Problem für unseren Körper darstellt. Im Hinblick auf grippale Infekte und stärkere Erkältungskrankheiten stimmt das in den meisten Fällen auch, doch im Alltag herrscht oft eine andere gesundheitliche Belastung zu dieser Jahreszeit vor: Trockenheit. Durch die ständig und überall gegenwärtige Heizungsluft trocknet auch unser Körper immer mehr aus. Das Organsystem Lunge und mit Ihr die Atemwege und die Haut sind besonders anfällig für Trockenheit. Symptome sind dann Reizhusten, trockene Kehle, trockene Haut, trockene Lippen. Oft kommen dann auch noch Hitzegefühle dazu.
Um diesem ‚Pathogen‘ vorzubeugen oder entsprechend zu begegnen reicht es oftmals, den Speiseplan um ein einheimisches Obst zu ergänzen: die Birne. Die Birne wirkt energetisch erfrischend und befeuchtend und reguliert Schleim-Hitze. Bei starken Hitzegefühlen kann die Birne auch roh verzehrt werden, ansonsten ist gedünstete Birne z.B. als Kompott empfehlenswert, bei Kälteempfindungen durch erhitzende Gewürze wie Zimt und Nelken ergänzt, bei beginnenden Erkältungen kann die zerstreuende Wirkung von mitgekochtem Ingwer genutzt werden. Sehr alltagstauglich ist auch Birnensaft (auf 100% Fruchtgehalt achten!). Wem der Saft zu kalt ist kann mit warmen Tee (z.B. Holunderblüten-abwehrstärkend oder roter Früchtetee-blutaufbauend) oder warmen Leitungswasser mehr Wärme zuführen.
Ebenfalls wichtig für ein gesundes Raumklima ist regelmässiges Lüften und zumindest eine Wasserschale auf der Heizung zur Befeuchtung.
Aus der Forschung
Akupunktur reduziert Schmerzen nach Brustkrebstherapie deutlich
Amerikanische Onkologen behandelten 226 Patientinnen mit Brustkrebs im
Frühstadium, die Aromatase-Hemmer erhielten, sechs Wochen lang zweimal
wöchentlich und dann noch einmal sechs Wochen lang einmal wöchentlich
entweder mit Verum-Akupunktur oder Sham-Akupunktur oder gar nicht. Dabei stellte sich nach sechs Wochen in der Verum-Gruppe auf einer
10-Punkte-Skala ein durchschnittlich einen Punkt stärkere Rückgang der
Schmerzen ein als in Sham- und Kontrollgruppe.
Diese Wirkung war statistisch signifikant und stärker als die von
Antidepressiva, die zur Schmerzlinderung verabreicht wurden. Die Anzahl der
Patientinnen, bei denen sich eine signifikante Verbesserung um mindestens
zwei Punkte einstellte, erhöhte sich in der Verumgruppe auf 58 %, während
es in den beiden Kontrollgruppen nur 30 % waren. Ausserdem hielt die
Wirkung der Akupunkturbehandlung auch 24 Wochen nach Behandlungsende noch
an.
(Large study suggests acupuncture could help women stick with unpleasant
cancer treatments, Nature , 11. Dezember 2017, 552, 157-158)
Akupunktur gegen Schlafstörungen
Hongkonger Wissenschaftler behandelten 224 Patienten mit Schlafstörungen
entweder nur mit Akupunktur auf bilateral Ex 6/M-HN1 (si shencong), Ex
5/M-HN54 (anmian), Pc6/KS6 (neiguan), C7/He7 (shenmen) und L6/Mi6
(sanyinjiao) sowie Ohr-shenmen und Ex1/M-HN-3 (yintang) und Rg20/LG20
(baihui) oder mit Akupunktur und zusätzlich Ohrakupunktur auf den
Ohrpunkten shenmen, Herz, Niere, Leber, Milz und Os occipitale oder setzten sie auf eine Warteliste.
Zwischen Akupunktur und Akupunktur plus Ohrakupunktur liess sich kein
signifikanter Unterschied feststellen, aber in beiden Gruppen kam es im
Vergleich zur Kontrollgruppe zu signifikanten Verbesserungen bei
Schlafstörungen, Angst- und Depressionssymptomen, Unwohlsein und
Ermüdung. Der Behandlungserfolg blieb 13 Wochen nach Behandlungsende
erhalten.
(Acupuncture with or without combined auricular acupuncture for insomnia: a randomised, waitlist-controlled trial, Acupunct Med, Februar 2018, 36(1),
2-13)
Akupunktur gegen Depressionen und Schlafstörungen
Chinesische Wissenschaftler behandelten 140 Patienten mit Depressionen und klinischen Schlafstörungen sechs Wochen lang zweimal wöchentlich entweder mit Standardakupunktur auf IC4/Di4 (hegu), Ex1/M-HN-3 (yintang) und Rg20/LG20 (baihui) oder mit Standardakupunktur plus permanenter Akupunktur mit Dauernadeln auf P7/Lu7 (lieque) und R6/Ni6 (zhaohai). Dabei wurden in der zweiten Gruppe zu allen Auswertungszeitpunkten bessere Schlaf- und Depressionswerte gemessen.
(Randomized single-blind multicenter trial comparing the effects of
standard and augmented acupuncture protocols on sleep quality and
depressive symptoms in patients with depression, Psychol Health Med,
September 2017, 1-16)
Akupunktur bei perimenopausalen Schlafstörungen
Chinesische Wissenschaftler behandelten 76 perimenopausale Frauen mit
Schlafstörungen drei Wochen lang zehnmal mit Akupunktur auf V23/Bl23
(shenshu) und V18/Bl18 (ganshu) (bilateral) sowie H14/Le14 (qimen) und
F25/Gb25 (jingmen) oder mit Sham-Akupunktur auf den gleichen Punkten. In
der Akupunkturgruppe kam es dadurch zu einer signifikant grösseren
Verbesserung der Schlafqualität als in der Sham-Gruppe, in der sich bei
Behandlungsende keine signifikante Verbesserung der Schlafwerte einstellte.
(Acupuncture Improves Peri-menopausal Insomnia: A Randomized Controlled Trial, 1. November (2017), 40(11), doi:10.101093/sleep/zsx153)
Akupressur bei Schlafstörungen
Wissenschaftler in Hongkong unterwiesen 31 Patienten mit Schlafstörungen
entweder in Akupressur oder in Schlafhygiene. Die Akupressurgruppe
behandelte sich vier Wochen lang täglich selbst mit Akupressur auf
Rg20/LG20 (baihui), F20/Gb20 (fengchi), Pc6/KS6 (neiguan), C7/He7
(shenmen), Rs12/KG12 (zhongwan) und R1/Ni1 (yongquan). Nach acht Wochen berichtete die Akupressurgruppe von einem signifikant grösseren Rückgang der Schlafstörungen als die Schlafhygiene-Gruppe.
(Self-administered acupressure for insomnia disorder: a pilot randomized
controlled trial, J Sleep Res, April 2018, 27(2), 220-231)
Akupunktur bei Zahnschmerzen wirksamer als Schmerzmittel
Indische Wissenschaftler haben 157 Patienten mit Pulpitis entweder 15 bis
20 Minuten lang auf der gleichen Seite wie die Zahnschmerzen mit
Verum-Akupunktur auf IC4/Di4 (hegu), S6/Ma6 (jiache), S7/Ma7 (xiaguan) und T17/3E17 (yifeng) und mit Placebomedikamenten behandelt oder mit
Sham-Akupunktur plus Placebo oder mit Sham-Akupunktur und Ibuprofen. In der Verum-Gruppe gingen die Schmerzen im Vergleich zu den Kontrollgruppen schneller zurück, und die Wirkung hielt länger an.
(Comparison of Acupuncture with Ibuprofen for Pain Management in Patients with Symptomatic Irreversible Pulpitis: A Randomized Double-Blind Clinical Trial, J Acupunct Meridian Stud, Dezember 2017, 10(6), 396-401)
Verweildauer der Nadeln hat keinen Einfluss auf die positive Wirkung von
Akupunktur bei Krebspatienten
Bei 152 Krebspatienten, die sechs Wochen lang einmal wöchentlich entweder zwei, zehn oder zwanzig Minuten lang mit individualisierter Akupunktur behandelt wurden, waren die Behandlungserfolge nicht in signifikanten Mass von der Verweildauer der Nadeln abhängig. Über 95 Prozent der Patienten erklärten, sie würden die Akupunkturbehandlungen anderen Krebspatienten empfehlen.
(Acupuncture in Oncology: The Effectiveness of Acupuncture May Not Depend on Needle Retention Duration, Integr Cancer Ther, 1. Oktober 2017,
1534735417734912, online-Veröffentlichung)
Akupunktur führt zu subjektiven und objektiven Verbesserungen bei
Fibromyalgie
Türkische Forscher behandelten 75 Frauen mit Fibromyalgie vier Wochen langzweimal wöchentlich entweder mit Verum-Akupunktur, Sham-Akupunktur oder simulierter Akupunktur (SiA). In der Verum- und in der Sham-Gruppe kam es zu einer signifikanten Verbesserung der Serum-Serotoninwerte, die in der Verum-Gruppe noch einmal signifikant höher war als in den beiden anderen Gruppen.
Während in der Verum-Gruppe die Substanz-P-Werte (der wichtigste
Schmerz-Neurotransmitter) zurückgingen, stiegen sie in der SiA-Gruppe an.
Kurzzeitig kam es in allen drei Gruppen zu einem subjektiven Empfinden von
Verbesserung, wobei die besten Ergebnisse in der Verum-Gruppe erzielt
wurden, in der es in allen Bereichen zu signifikanten Verbesserungen kam,
die zudem mindestens drei Monate nach Behandlungsende anhielten.
(Effects of Acupuncture Treatment on Fibromyalgia Symptoms, Serotonin, andSubstance P Levels: A Randomized Sham and Placebo-Controlled Clinical
Trial, Pain Med, 6. Dezember 2017, doi:10.1093/pm/pnx263, online-Veröffentlichung)
Akupunktur zur Schmerzlinderung bei Trigeminusneuralgie
Brasilianische Forscher verglichen 30 gesunde Versuchspersonen mit 60
Patienten mit idiopathischer Trigeminusneuralgie, die entweder mit
Verum-Akupunktur oder Sham-Akupunktur oder mit Carbamazepin medikamentös behandelt wurden. Die Verum-Gruppe wurde zehn Wochen lang einmal wöchentlich auf IC4/Di4 (hegu), IC2/Di2 (sanjian) und S44/Ma44 (neiting)behandelt, je nach individuellen Symptomen ergänzt mit V2/Bl 2 (cuanzhu), F14/Gb14 (yangbai) und M-HN-6 (yuyao) (wenn der Augenast betroffen war); oder mit S2/Ma2 (sibai), F29/GB-29 (juliao) und SI18 (quanliao) (bei Oberkieferast) oder mit S6/Ma6 (jiache), S7/Ma7 (xiaguan) und Ex2/M-HN-9 (taiyang) (bei Unterkieferast).
Die durchschnittliche Schmerzintensität ging nur in der Verum-Gruppe
zurück, während die Sham-Gruppe zusätzliches Carbamazepin benötigte. Zu
einem Rückgang sekundärer myofaszialer Schmerzen und mandibulärer
Einschränkungen kam es bei beiden Akupunkturgruppen, jedoch nur in der
Verum-Gruppe blieben diese Verbesserungen auch bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten erhalten.
(Acupuncture treatment for idiopathic trigeminal neuralgia: longitudinal case-control double blinded study, Chin J Integr Med, November 2017,
23(11), 829-36)
-Aus dem Newsletter der SMS entnommen
Auf den Punkt gebracht: Unterstützung für das Immunsystem und die Haut:Dickdarm 11 - qu chi, der ‚gebogene Teich‘
Am äusseren Rand des Ellenbogens liegt dieser Punkt, der gerade in dieser Jahreszeit eine besondere Wichtigkeit erfährt: Er reguliert das Immunsystem und die Haut. Seine Energetik könnte man so beschreiben: er ist - man beachte den Punktnamen!- der Wasser-Punkt auf der Dickdarm-Leitbahn, d.h. auf den Dickdarm und die Haut, aber auch auf alles, was er in seinem Verlauf tangiert, hat er eine kühlende und anfeuchtende Wirkung. Der Dickdarm-Meridian verläuft vom Zeigefinger über die Aussenseite des Arms und die Schulter bis zur Nase. Häufig Beschwerden auf dieser ‚Route‘ sind Entzündungen der Schulter und vor allem Nasennebenhöhlen-Entzündungen - eine häufig Indikation für Dickdarm 11.
Der Punkt Dickdarm 11 wird bei uns in der Praxis häufig in die Punktkombinationen eingebracht, z.B. zusammen mit
- Dickdarm 4 bei Entzündungen im Gesichtsbereich
- Milz 9 bei Ausfluss und vaginalen Pilzinfekten
- Milz 10 bei juckenden, entzündlichen Hauterkrankungen
Die genauere Lokalisation der Punkte können wir Ihnen gerne in der Sprechstunde zeigen- zur Selbstbehandlung können Sie diese ‚Energie-Höhlen‘ in akuten Situationen ruhig mehrmals täglich kreisend massieren.