Newsletter April 2026

April und dann der Mai - die Aufbruchsstimmung macht sich nicht nur im Strassenverkehr, der Reiselust, den Bienen und Bäumen bemerkbar. Und diese naturgegebene Stimmung wird immer spürbarer ausgebremst. Weiter unten habe ich etwas zu dem neuen Begriff ‚mütend‘ geschrieben, vor allem zu den energetischen Ursachen und Folgen dieser Stimmungslage. Die Natur geht weiter. Die Blütezeit des Jahres nähert sich von Tag zu Tag dem Höhepunkt, wenn im Juni die Sonne am Höchsten steht. Ähnliches geschieht mit unseren Energien- mit allen Sinnen sind wir aus dem Winterschlaf zurück und nach aussen gekehrt. Dazu gehören die Augen, das Immunsystem und die Atemwege, die zum Leidwesen der Allergiker - womöglich auch geschwächt durch die Winterzeit und die Corona-Pausen- sich durch Brennen, Tränen und Husten die für andere Menschen schönste Jahreszeit verleiden. Aber gerade mit Akupunktur kann man da gut helfen....
Leben Sie mit der Zeit!Leben Sie mit der Zeit
Mütend?
Eine von vielen neuen Wortschöpfungen, die schon immer völlig neue Lebenssituationen und Entwicklungen in dieser Welt beschreiben. Eine Kombination aus ‚Wütend‘ und ‚Müde‘ - d.h. Erschöpfung und Wut. Da paart sich der Frust mit dem gespürten Ergebnis von winterlichem Rückzug, Angst und Unsicherheiten. Jeder Mensch lebt vom Input - der ist auf der einen Seite körperlich-substantiell-wir brauchen Essen und Trinken zum Leben. Daran ist bei uns kein Mangel. Wohl aber an geistigem und sozialen Input. Der Ratsch mit Freunden und Verwandten, im Biergarten, das Ballspiel der Unterhaltung, das lockere und unbeschwerte Pflegen der Gemeinsamkeit. Auch das ist Input, den wir brauchen, um Eindrücke zu sammeln, nicht nur Informationen, sondern Gefühle und Emotionen, die wir bewusst und unbewusst aufnehmen und verarbeiten. Oder auch nicht. Das was wir bekommen an Input, nährt uns, gibt uns den ‚Stoff‘ des Lebens. Aus TCM-Sicht ist dafür die Milz ‚zuständig‘, wir können auch sagen, für das gesamte Stoffwechsel- und Verdauungssystem. Kann diese Milz nicht richtig arbeiten oder wird sie nicht richtig genährt, so kommt es zur Ansammlung von Feuchtigkeit. Im Kopf merken Sie das in einem benebelten Gefühl, in Konzentrationsstörungen und eben in Müdigkeit.
Der Frust und die gelegentliche Wut hingegen strapaziert die Leber. Druck führt zu Blockaden, im Denken, Fühlen und am offensichtlichsten in Verspannungen - besonders an Schulter und Rücken. Die Muskeln verkrampfen sich, sind nicht mehr so locker-geschmeidig. Die Augen werden auch belastet - die Bildschirmarbeit Tag für Tag, ohne mit dem Blick auch mal in die auch etwas nähere Ferne schweifen zu können - das ermüdet die Augen. Längerfristig- und das geschieht jetzt zunehmend- wird die Leber aus Sicht der TCM nicht nur in ihrer Energie-Verteilungs-Funktion gestört - die Verspannungen und Blockaden- sondern das Blut kommt nicht mehr ausreichend in die Muskeln und die Augen: zunehmende Sehschwäche, Muskelzuckungen und -krämpfe, vielleicht auch Migräne und Kopfschmerzen. Die Müdigkeit - häufig mit gleichzeitigen Schlafstörungen- ist dann ein Zeichen für eine ‚Leber-Blut-Schwäche‘. Weitere Überlegungen führen aus TCM-Sicht noch zu anderen ‚Organen‘, die zur Zeit leiden könnten: das Herz durch fehlende zwischenmenschliche Kontakte, die Nieren durch ausserordentliche Belastungen in Familie und Beruf, die Lunge durch fehlenden Sport...Hoffen wir geduldig, dass wir diese Belastungen irgendwann wieder ausgleichen können - wir können mit Akupunktur und/oder chinesischen Kräutern helfen.....

VNS und Ohr-Akupunktur
Die Vagusnervenstimulation VNS ist seit geraumer Zeit im Internet weit propagiert. Der Vagus-Nerv versorgt im wesentlichen alle inneren Organe und ist der Gegenspieler des in unserer heutigen ziemlich lebhaften Zeit überstrapazierten Sympathikusnervs. Sehr gut kann man diesen Nerv über das Ohr erreichen, und somit beruhigend auf die Stimmung, die inneren Organe und viele Irritationen des Nervensystems Einfluss nehmen. Gerade die Stimulation des Ohres ist im Rahmen der Akupunkturbehandlung schon seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts weit verbreitet. Damals wurde in Frankreich von Doktor Nogier die Ohr- Akupunktur -Aurikulotherpie- entwickelt. 

Was steckt dahinter?
Wie Innen - so Aussen: Unser Körper spiegelt seine inneren Störungen immer irgendwann an der Körperoberfläche wider. Und umgekehrt kann man über die Regionen der Haut auch auf das Befinden zum Teil ganz gezielt Einfluss nehmen. Viele in den letzten Jahrzehnten entwickelte Behandlungsmethoden gehen davon aus, dass wir in jeder Körperregion letztlich den gesamten Menschen behandeln können - so wie die Anlagen des gesamten Menschen schon in den ersten „Zellhaufen“ des Embryos komplett vorhanden sind. Die Behandlung über diese „Mikrosysteme“ nutzt die Beziehungen zwischen einzelnen Körperregionen zur Diagnose und zur Behandlung von Krankheiten. Jeder Reiz auf eine bestimmte Stelle an der Körperoberfläche hat eine Auswirkung auf eine entsprechende Region im Inneren - wobei die Art des Reizes von der Nadelung über die Druckmassage bis hin zur Laser- oder Farbpunktur gehen kann.

Diese Akupunkturmethoden (zum Beispiel Ohr-, Kopf-, Handakupunktur) können grundsätzlich bei denselben Krankheiten und Störungen wie die klassische Akupunktur genutzt werden, wirken jedoch aus meiner Sicht nicht so tief greifend und differenziert. Besonders anerkannt sind diese Techniken jedoch bei Suchtproblemen und Schmerzen.

Die Grundlage von Diagnose und Behandlung ist eine bildhafte Vorstellung davon, wie die einzelnen Körperregionen sich zum Beispiel in der Ohrmuschel, der Hand oder der Kopfhaut widerspiegeln. Sie haben quasi eine „Miniatur-Landkarte“ Ihres Körpers in einem Teil Ihres Körpers vor sich, der dann ausführlich untersucht - und dann auch gleich behandelt wird. 

Eine ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit zum Beispiel an einem Punkt an der Ohrmuschel weist darauf hin, dass diese Stelle reaktionsfähig ist und hier auf die Blockade und Disharmonie der entsprechenden Körperfunktion oder des Organs eingewirkt werden kann. Der elektrische Hautwiderstand kann sich in einer gestörten Zone verändern. Oder es zeigen sich dort auffällige Hautveränderungen wie etwa Äderchen oder Farbveränderungen.

Vielfältige Instrumente
Da bei dieser Methode ein Reflex-Mechanismus zwischen Hautoberfläche und dem „Innenleben“ genutzt wird, könne die Reize auch oberflächlich sein. Dabei kann das Instrumentarium sehr vielfältig sein: für den Therapeuten sind das vielleicht Nadeln aus Stahl oder Edelmetallen, aber auch aufzuklebende Magnetkügelchen, Pflanzensamen (Vaccaria, Mohn, Sesam), Laser, Moxa, oder gar kleine Kristalle. Da eine ausführliche Beschreibung sämtlicher Methoden den Rahmen dieses Buches sprengen würde, stelle ich Ihnen exemplarisch die Ohrakupunktur vor, eine der gängigsten Methoden. 


Konkret: Die Ohrakupunktur

Diese älteste und bekannteste Form der Mikrosystem-Behandlung wurde in den 50er Jahren in Frankreich entwickelt und fand schnell auch im Mutterland der Akupunktur grosse Verbreitung. Bevorzugt wird die Ohrakupunktur bei Suchterkrankungen eingesetzt - in den USA sogar verbindlich zur Entgiftung bei Drogenabhängigen - und begleitend zu einer umfassenden Behandlung. Zur Suchtbehandlung (Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion etc.) werden auch besondere, zusätzliche Punkte behandelt. Sogar in der Behandlung von Depressionen, der Schmerztherapie, Verdauungsstörungen und bei Allergien wie Heuschnupfen hat sich die Behandlung über die Ohrmuschel sehr bewährt: Hier ist es möglich, den heilsamen Reiz zum Beispiel durch Dauernadeln über einen längeren Zeitraum hinweg (teilweise mehr als 1 Woche) auf den Organismus einwirken zu lassen. 

Zunächst wird meist durch Tasten der für Ihre Problematik in Frage kommenden Punkt im Ohr gesucht. Die richtige Stelle wird sich dann als deutlich schmerzhafter herausstellen. Die Untersuchung kann ganz klassisch mit einem dünnen Stäbchen erfolgen, Ihr Therapeut kann aber auch ein Punktsuchgerät einsetzen - der elektrische Hautwiderstand zeigt sich an den reaktionsfähigen Stellen deutlich verringert. Eine weitere Methode ist der RAC, der „aurikulocardiale Reflex“: Im selben Augenblick, da der richtige Punkt im Ohr berührt wird, kann am Handgelenkspuls eine Veränderung der Pulswelle festgestellt werden. 

In der Praxis werden kurze Stahlnadeln gesetzt, aber für die Ohrakupunktur auch Gold- und Silbernadeln. Die Punkte am Ohr können auch mit verschiedenen Instrumenten wie beispielsweise Massagestäbchen aus Glas, Holz oder Metall massiert werden. 

Wenn Sie es selbst ausprobieren wollen, tasten Sie eine in Frage kommende Stelle ab - ist sie besonders empfindlich? Wenn ja, so können Sie diese mit Daumen und Zeigefinger 3 bis 5 Minuten lang massieren! Tipp: Machen Sie die Ohrmuschelmassage besonders bei Schlaf- und Konzentrationsstörungen!
Husten- Tipps und Hilfen mit der Chinesischen Medizin
Husten quält- warum auch immer: sei es als Folge von Virusinfekten - nicht nur als Folge eine Corona-Infektion!-, als Zeichen einer durch Bakterien verursachten Lungenentzündung, durch Schadstoffe, trockene Heizungsluft oder auch durch Stress verursacht. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat besondere Vorstellungen über das, was da mit der Lunge und der Atmung geschieht:
Aus Sicht der TCM stellt Husten in erster Linie eine ‚Rebellion‘ des Lungen-Qi dar. Das meint, dass die natürliche Wirkrichtung des Lungen-Qi (aus dem Brustkorb abwärts) aus verschiedenen Gründen gestört ist. Die Strategie heisst ‚Absenken‘- mit verschiedensten Methoden. Eine Möglichkeit ist die Schröpfmassage: Ein Schröpfglas mit Saugball wird auf den leicht geölten Rücken, etwa Zwei-Fingerbreit neben der Wirbelsäule aufgesetzt. Die Bewegung des Glases erfolgt nun immer von oben nach unten, im oberen Bereich des Rückens und beidseitig. Je nach Saugstärke kann diese Massage 5.-10 Min. täglich durchgeführt werden, leichte (!) ‚blaue Flecken (=uteinblutungen) können entstehen und beschleunigen sogar den Heilungsprozess.
Ebenfalls am Rücken befindet sich der Extrapunkt ‚Dingchuan‘, der klassisch bei ‚Husten und Keuchen‘ eingesetzt wird. Besonders bei starken Hustenanfallen kann ein Massieren, Drücken oder sogar Kratzen dieses Punktes helfen: Unterhalb und einen halben Daumen-breit neben dem 7. Halswirbel
Auch der ‚Stärkungspunkt‘ der Lunge am Rücken neben der Wirbelsäule kann täglich gedrückt werden: Unterhalb und Zwei-Finger neben dem 3. Brustwirbel
Ein weiterer wichtiger Punkt zur Akupressur ist am Handgelenk zu finden: Zwei-Finger oberhalb des Handgelenks der Daumenseite in einer kleinen Rinne

Besonders bei akutem Husten kann das Aufsetzen eines Schröpfglases auf den Anfangspunkt der Lungenleitbahn helfen: Besonders bei Kindern ist das eher unproblematisch und wirksam! Er liegt einen Daumen unterhalb des Schlüsselbeins

Husten wird meist durch eine Kälte in der Lunge ausgelöst. Deswegen sollte Wärmen des Brustkorbs sehr ernst genommen werden- sowohl vorsorglich als auch in der Erkältungsphase. Kleine wärmende Dinkelkissen und Stadelmanns Thymian-Myrte-Balsam können ebenso helfen wie warme Wickel. .
Durch die ständig und überall gegenwärtige Heizungsluft trocknet auch unser Körper immer mehr aus. Das Organsystem Lunge ist besonders anfällig gegenüber Trockenheit - müssen doch die Bronchien immer etwas angefeuchtet sein. Symptome sind dann Reizhusten, trockene Kehle, trockene Haut, trockene Lippen. Oft kommen Hitzegefühle dazu. 
Um dieser schädlichen Trockenheit vorzubeugen oder entsprechend zu begegnen reicht es oftmals, den Speiseplan um ein einheimisches Obst zu ergänzen: die Birne. Birnen wirken energetisch erfrischend und befeuchtend und regulieren Schleim-Hitze. Bei starken Hitzegefühlen können sie auch roh verzehrt werden, ansonsten ist sie gedünstet z.B. als Kompott empfehlenswert. Bei Kälteempfindungen kann das Kompott durch erwärmende Gewürze wie Zimt und Nelken ergänzt, bei beginnenden Erkältungen die zerstreuende Wirkung von mitgekochtem Ingwer genutzt werden. Bei hartnäckigem Husten kann eine Birne an den Seiten eingeritzt und ausgehöhlt mit Honig befüllt und dann gedünstet werden.
Eine alte chinesische Legende erzählt von einem lungenkranken Kind, welches auf Grund von Armut nur die im Garten wachsenden Birnen ass und daraufhin gesundete. 
Bei Akut-Erkrankungen bedient sich die Chinesische Medizin gerne aus dem Jahrtausende alten Schätzen der Kräuterheilkunde: Neben verschiedenen Hustenrezepturen (auch als Saft erhältlich) , kann zum Beispiel im Anfangsstadium einer Erkältung ein Sud aus Frühlingszwiebeln und gekeimten Sojabohnen helfen. Wichtig ist hier, das noch kein Schwitzen eingesetzt hat! Auch ein Hustensaft aus einer Zwiebel kann leicht hergestellt werden: Zwiebel etwas aushöhlen, mit Rohrzucker befüllen und über Nacht auf einem Glas stehen lassen. Der entstandene Sud kann als Hustensaft getrunken werden.
Natürlich gibt es auch viele westliche Kräuter die helfen: Efeu-Extrakt, Thymian und Spitzwegerich können Hustenreiz und Krampfhusten lindern und den Schleim lösen.
Im Alltag sollte auf nicht zu trockene Räume und ausreichend Frischluft geachtet werden. Bei feuchter, nasskalter Witterung aber sollte man sich vor Überlastung hüten- auch Spaziergänge sollten 30 Min. nicht überschreiten. Ein Besuch in einer Salzgrotte oder im (trockenen) Solebad beschleunigt oftmals den Heilungsprozess - zu beachten ist hier allerdings die Gefahr von erneuter Ansteckung durch andere Gäste. 
Besonders bei einer Bronchitis können Inhalationsgeräte mit Vernebelungstechnik helfen. Da hier kalte Luft eingesogen wird, sollte eine Behandlung mit gleichzeitiger Wärme (s.o) und nur in Massen erfolgen. 
In der Chinesischen Medizin ist die Lunge unter anderem für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig. Nach längerer Erkrankung oder bei bereits vorher geschwächten Menschen -besonders Kindern- kann das Lungen-Qi geschwächt werden. Allgemeine Erschöpfungs-Symptome können ebenso wie asthmatische Erkrankungen oder chronische Bronchitis eine Folgeerkrankung darstellen. Deswegen ist es wichtig, die Lunge nach einem Infekt wieder zu stärken. Neben der Akupunktur und speziellen Arznei-Tees haben sich Kraftsuppen -mit oder ohne chinesischen Kräutern- bewährt (ein Rezept erhalten Sie bei Ihrem Therapeuten für TCM). Und: benutzen Sie Ihre Lunge, diese lebenswichtige Quelle des Qi: Singen, sowohl im Chor als auch unter der heimischen Dusche und musizieren mit Blasinstrumente können langfristig das Lungen-Qi stärken- und dazu noch viel Freude bereiten.

Für eine genaue Diagnose, Fragen und weitere Tipps, wenden Sie sich bitte an Ihre/n TCM- Therapeut/in!
Immunsystem stärken mit der TCM
Lassen Sie uns kurz erklären, wie die alte Chinesische Medizin mit dem ‚Immunsystem‘ umgeht:
In der TCM dreht sich alles um das ‚Qi‘- gerne übersetzt als ‚Lebensenergie‘. Doch es gibt verschiedene Formen des Qi. Das Zheng Qi (‚aufrechtes Qi‘) spiegelt das Potenzial an Lebenskraft insgesamt wieder, während das Xie Qi (‚üble Qi) jede Art eines ‚Eindringlings‘ bezeichnet. Das Xie Qi wartet nur auf eine Gelegenheit, in den Körper einzudringen. Ob das gelingt, hängt vom Zheng Qi und der Abwehrkraft ab. Das Abwehr-Qi wird Wei Qi genannt. Das Wei Qi zirkuliert im Körper. Es entsteht aus der Nierenenergie (Reserven, Veranlagung, Genetik) und dem Ergebnis eines Umwandlungsprozesses der Nährenergie (Gu Qi und Ying Qi). Diese Prozesse werden von der Milz und somit von Verdauung/Stoffwechsel gesteuert. Die Regulation von Ernährung, Verdauung und Stoffwechsel ist elementar- sowohl bei immunologischen Störungen als auch bei einem schwachen Immunsystem.
Wenn nun ein Pathogen (‚Eindringling‘) in Kontakt mit dem Organismus kommt, kann es das System stören und ‚krank machen‘. Diese Sichtweise teilt auch die Schulmedizin. Aber nicht jeder Betroffene erkrankt bzw. durchläuft dieselbe Krankheitsintensität und -verlauf. Die Anzahl und die Art der Erreger spielen sicher eine Rolle, aber auch das Gesamtsystem Mensch.
Mit der Stärkung unseres Immunsystems, können wir die Reaktion und Anfälligkeit auf Krankheitserreger beeinflussen.
Die TCM beginnt bereits vor dem Einsetzen einer Erkrankung: Vorbeugung, bevor eine Erkrankung oder Schwäche eintritt. Einen wesentlichen Einfluss nimmt die Ernährung auf unseren Energiezustand. Bevor also irgendwelche Therapien oder Stärkungsmittel genutzt werden, sollte die aufgenommene Nahrung betrachtet werden. Insbesondere für Kälte-anfällige Menschen stehen gekochte Mahlzeiten im Vordergrund- morgens, mittags und abends. Zur zusätzlichen Stärkung oder bei bestehender Schwäche bieten sich über mehrere Stunden gekochte Kraftsuppen an. Doch auch positive Erfahrungen, Freude und Gelassenheit beeinflussen das Immunsystem- übermässige Angst wiederum schwächt es (Nierenenergie).
Neben Akupunktur und Kräuterheilkunde gehört auch die Moxibustion (eine Kombination aus Heilkräuter- und Wärmetherapie) zur Chinesischen Medizin. Verbrannt wird dabei das auch bei uns bekannte Beifusskraut (Artemisia vulgaris varietas sin.), genauer: die zuvor einige Jahre fermentierten und dann getrockneten Blätter der Pflanze.
Das Beifusskraut ist warm, bitter und scharf. Die wärmende Wirkung stärkt besonders das Yang und fördert einen ruhigen Fluss von Qi und Blut. Für die Selbstanwendung zur Stärkung des Immunsystems hat sich seit Jahrhunderten hierfür der Punkt Magen 36 ‚Zusanli‘ bewährt.
Sowohl zur Stärkung des Immunsystems als auch zur Ausleitung von ‚Altlasten‘ können die Schabemethode Guasha und das Schröpfen angewendet werden.
Bei einer Schwäche des Immunsystems oder bei Auftreten eines besonders starken Pathogens, können auch Heilpflanzen der TCM vorbeugend eingesetzt werden. Wichtig ist, dass diese NUR aus spezialisierten Apotheken bezogen werden, um die Qualität sicher zu stellen. Und auch wenn vorbeugende Rezepturen sehr viel allgemeiner sind als die eigentliche TCM-Pharmakologie, sollten jegliche Kräuter- Rezepturen nur von spezialisierten Therapeuten verschrieben werden.

Auf den Punkt gebracht: ein ganz besonderes Areal...
.... für positive Einwirkungen auf das Immunsystem befindet sich am oberen Rücken zwischen den Schulterblättern. Über Haut-Organ-Reflexe kann im gesamten Rumpf durch Reizung der Haut auf die inneren Organe eingewirkt werden. So im Bauchbereich auf Magen und Darm, im Unterbauch auf die Blase und die Fortpflanzungsorgane, am unteren Rücken auf die Nieren und - das ist jetzt für uns besonders wichtig - im Brustbereich auf die Lunge. Aus Sicht der TCM ist die Lunge nicht nur für die Atmung zuständig, also für die Aufnahme lebensnotwendigen Qi (=Sauerstoff) und die Abgabe von Überflüssigem (= CO2). Sondern sie steuert auch das Immunsystem, die Abwehrenergie. Dies geschieht über die ‚Grenzfläche‘, die der Mensch zur Umwelt hat: Seine Haut. Die Haut nimmt Reize auf, auch sie ‚atmet‘ wie die Lunge. Und so unterstützen die verschiedensten Reizmethoden das Immunsystem, gerade wenn sie im oberen Rücken zwischen den Schulterblättern angewendet werden.

Dazhui (Du Mai 14)
Dieser Punkt liegt mittig unter dem hervorstehenden 7. Halswirbel. Er ist ein sehr wichtiger Punkt bei Infektanfälligkeit, aber auch bei akuten Infektionen, die auf eine Schwäche der Abwehrenergie zurückzuführen sind. Empfohlene Methode: Erwärmend Reiben, Moxibustion
Da Zhu (Blase 11)
Dieser Punkt liegt auf beiden Seiten der Wirbelsäule im Nacken, direkt neben Du Mai 14. Er wirkt besonders bei tiefgreifenden Störungen des Immungeschehens, die aus TCM-Sicht sowohl Lunge als auch Nieren beeinträchtigen. Unter den Autoimmunerkrankungen wird er besonders bei rheumatischen Erkrankungen angewendet. Empfohlene Methode: Moxibustion
Fengmen (Blase 12)
Dieser Punkt liegt auf beiden Seiten der Wirbelsäule im Nacken, 2 Daumenbreiten unter dem hervorstehenden 7. Halswirbel. Er ist ein ‚Wind-Punkt‘ - wirksam ist er vor allem bei Asthma, Luftnot und Druckgefühl im Hals. Empfohlene Methode: Kratzen, Guasha
Feishu (Blase 13)
Dieser Punkt liegt auf beiden Seiten der Wirbelsäule im Nacken, 3 Daumenbreiten unter dem hervorstehenden 7. Halswirbel. Über diesen Punkt kann die Lunge und somit auch das gesamte Immunsystem gestärkt werden. Empfohlene Methode: Moxibustion