Newsletter Februar 2026

Xin Nian Kuai Le‘ (新年快乐) -frohes neues Jahr wünsche ich Ihnen, vor allem Gesundheit und Glück! Es wird wie immer spannend werden, wie dieses Jahr wird, im Guten wie im Schlechten! In diesem Newsletter finden Sie unter anderem die Ausführungen meines Kollegen, Freundes und Co-Autors Udo Lorenzen zum chinesischen Jahr des Pferdes. Sie können sich eine ausführliche PDF dazu herunterladen! Ansonsten wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Frühling und vorher einen ruhigen Rest-Winter. Die allerersten Boten der nächsten Jahreszeit machen sich ein wenig bemerkbar... Haseln und Erlen, und bald strecken sich Winterlinge und Schneeglöckchen in die immer wärmer werdende Sonne...Leben Sie mit der Zeit!

Unterschrift Andreas Noll

Anmeldung in der Praxis 7/24 unter Doctolib


70 Jahre Chengdu University of TCM

Im Oktober feiert die grosse TCM Universität in Chengdu ihr 70-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass habe ich für die Festschrift einen kleinen Beitrag verfasst..Ich beschreibe darin, wie die Verbindung zu dieser Universität angefangen hat für mich, vor vielen, vielen Jahren. In Ansätzen geht es auch darum, was daraus geworden ist...zur Erklärung für Sie: an der Universität sind ungefähr 25.000 Studenten eingeschrieben, die ausschliesslich die chinesische Medizin und Pharmakologie lernen. An das Krankenhaus angeschlossen sind etliche Kliniken und Lehrkrankenhäuser.

Es ist jetzt 34 Jahre her, dass ich mich das erste Mal aufmachte, um in China das Ursprungsland der Akupunktur und der chinesischen Medizin kennen zu lernen. Ich war damals seit über zehn Jahren fasziniert von den Vorzügen dieser uns sehr fremden Kultur und Heilkunde. Ich konnte sie zwar in Deutschland oder Europa lernen von einigen asiatischen und deutschen Lehrern und praktizierte in eine Praxis in Berlin. Und damals, Anfang der Neunzigerjahre herrschte eine ausgesprochene Aufbruchstimmung in Deutschland, nicht nur durch die Wiedervereinigung politisch, sondern auch auf dem Gebiet der Akupunktur. Zusätzlich im Osten Deutschlands konstituierte sich die Fachvereinigung AGTCM und ich gründete eine Schule für TCM in Berlin. Was fehlte, war die Verbindung zu den Wurzeln. Und so machte mich 1992 auf nach Chengdu, inspiriert durch meinen alten Freund und Kollegen Gerd Ohmstede
China war für uns ein völliges Neuland, die Kultur und das Leben ebenso wie die Heilkunde, die wir nur aus zweiter Hand kannten, nur aus den vielen alten und neuen Büchern. Voller Spannung ging es los, nach vielstündigen Flug erst nach Peking und dann nach Chengdu. Es war uns alles fremd. Der erste Eindruck vom Krankenhaus: überwältigt! Praktizierten wir doch in kleinen Praxen, Privat, mit vergleichsweise wenigen Patienten. Und nun ein regelrechtes Krankenhaus mit einem angeschlossenen College. Es war zu dieser Zeit noch keine Universität! Persönlichkeiten, die mir immer in Erinnerung bleiben werden, sind von Anfang an Mrs. Huang vom Wai Ban, der damalige Präsident der Uni, Prof.Li Ming Fu. Wir, d.h. eine Reisegruppe von etwa 20 Kolleginnen und Kollegen, wurden warmherzig und kollegial empfangen, ebenso wie auf den Stationen des Krankenhauses. Unter ihnen auch Liu Yi, die später viele Male Prof. Dr. Hu Lingxiang nach Deutschland zum Unterrichten begleitete.. Wir bekamen Dolmetscher zugeteilt, auch Xie Ru, die später nach Deutschland übersiedelte, mit der mich immer noch in Deutschland freundschaftliche Bande verbinden. Es war einfach faszinierend für uns: die Akupunktur - ich war vor allem in Akupunktur-und Tuina-Abteilungen eingesetzt - als ein ganz normaler Bestandteil des Gesundheitswesens zu erleben, was von allen Menschen innerhalb und ausserhalb der Klinik als ganz selbstverständlich akzeptiert wurde. Wie anders in Deutschland,-dort waren wir wenigen Akupunkteure eher exotische Therapeuten, die eine eigenartige, fremde Heilkunde praktizierten! Wenn der Geruch von brennendem Moxakraut wahrgenommen wurde, assoziierte man das bei uns mit Rauschmittelmissbrauch, oder die Feuerwehr drohte...und hier nun in Chengdu wusste jeder, dass dort Akupunktur betrieben wurde. Die Eindrücke waren einfach überwältigend. Und so manche Aha-Momente: wir waren die im Westen übliche vereinfachte Benennung der Akupunkturpunkte mit Nummern gewohnt. Aber hier in der grossen Akupunkturabteilung waren natürlich nur die chinesischen, wirklich aussagekräftigen Namen der Punkte gebräuchlich. Wir mussten umdenken... So manche Klischees, die sich in unserem Köpfen gebildet hatten, in der Ferne mussten wir sie revidieren. So viel anders ist der chinesische Patient auch nicht! Nach den Hospitationen in der Akupunkturabteilung und bei den Tuina Ärzten ging es zum Emeishan, mit Qigong- Unterricht und theoretischen Unterrichtungen von Professor Li Zhongyu und seinem Enkel. Eine wunderbare Atmosphäre, ein gefühlsmässiger nie vergessener Einstieg in die buddhistische Lehre und Religion. Nach nur vier Wochen ging es wieder zurück nach Chengdu, Peking und dann wieder ins völlig andere Deutschland. 
Es war zwar das erste, aber nicht das letzte Mal, dass ich nach Chengdu kam. Ich ahnte es noch nicht. Aber es waren letztlich dutzende Male, dass ich in diese schöne Stadt mit den freundlichen Menschen in der Ferne reiste. Meine Frau Dagmar Hemm lernte ich auf einer Studienreise in Chengdu kennen, vor 20 Jahren, viele Male begleitete sie mich. Meine Tochter Jessica, die meine Berliner Praxis ab 2014 weiter führte, war vor über zehn Jahren das erste Mal in Chengdu. Irgendwann stellte ich mal fest, dass ich in keiner Stadt ausser Berlin, München und meiner Geburtsstadt Braunschweig öfters war als Chengdu. Mich verband vieles mit der Chengdu University, viele Lehrer und viele Freunde wie Mrs Huang. Die fast jährlichen Reisen gehörten fast mein halbes Leben lang dazu. Als Präsident der AGTCM konnte ich die Verbindungen sowohl zu den Schulen als auch zum jährlichen Rothenburger Kongress intensivieren, ich war eben ein Lao Pengyou. Und ich hatte die Ehre, auch als Dozent tätig zu werden, so dass ich 2006, also zum 50. Jahrestag der Chengdu University, of TCM den Titel eines Visiting Professor bekam. Vielen Dank an alle- eine unglaubliche Bereicherung!


Über Heilpaktiker

Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2024 ein ‘Empirisches Gutachten zum Heilpraktikerwesen‘ erstellen lassen, das zum Ziel hatte, bundesweite, statistisch belastbare und repräsentative Daten zum Heilpraktikerwesen in Deutschland zu erheben. Das Gutachten umfasst 334 Seiten und steht auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums zum Download https://newsletter.agtcm.de/c/114364248/8eaa0c134510-ta14ru zur Verfügung. 
Der Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) hat jetzt das gesamte Gutachten unter die Lupe genommen und umfassend ausgewertet und kommt zu folgendem Schluss: Das Gutachten bestätigt die Relevanz, Verantwortung und Sicherheit des Berufsstandes der Heilpraktiker:innen. Es ist eine starke Grundlage für Anerkennung und für eine faire und faktenbasierte politische Debatte über den Berufsstand. Es zeigt klar: Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sind ein relevanter und verantwortungsvoller Teil der ambulanten Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Aus der Forschung

Kribbeln in den Füssen, Taubheitsgefühle, brennende Schmerzen oder Unsicherheit beim Gehen: Polyneuropathien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im höheren Lebensalter, auch so mancher meiner Patienten klagt über die äusserst unangenehmen und hartnäckigen Beschwerden. Immerhin sind etwa ein bis drei Prozent der Allgemeinbevölkerung betroffen. Diabetes, Alkohol, Vitamin B 12- Mangel oder Chemotherapie, aber auch Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder genetische Faktoren können auslösende Faktoren sein. Grosszügig werden dann Vitamine, vor allem B- Vitamine verordnet oder in der Apotheke frei verkauft. Auch B6, sprich Pyridoxin. Nun haben im Journal of Neurosciences in Rural Practice Neurologen Fallberichte über acht ältere Patienten zusammengestellt, die innerhalb von vier Jahren in ihrer Ambulanz behandelt wurden. Sieben von ihnen entwickelten eine sensorimotorische Polyneuropathie ausschliesslich infolge erhöhter Vitamin-B6-Supplementationen. Bei einem weiteren Patienten verschlechterte Vitamin B6 eine bestehende Nervenerkrankung erheblich. 

Allen Fällen gemeinsam waren typische neurologische Symptome: ein gestörtes Vibrationsempfinden, symmetrische Sensibilitätsausfälle an den Füssen, aber auch Gangunsicherheit. Also genau die Beschwerden, gegen die das Vitamin B6 eigentlich eingenommen wurde! Also seien Sie vorsichtig -nicht alle Vitamine sind harmlos, gerade bei Vitamin B6, D und A ist Vorsicht angeraten!


Auf den Punkt gebracht....Hegu (Dickdarm 4, der ‚grosse Öffner‘....
Wenige Akupunkturpunkte werden so häufig genutzt wie dieser Punkt, der zwischen Daumen und Zeigefingern liegt und zudem sehr gut und effektiv mit Akupressur selbst behandelt werden kann. Er ist der ‘grosse Öffner‘ und wirkt eindrucksvoll bei allen Problemen im Gesicht - also bei verstopfter Nase, Sinusitis und sogar bei Zahnschmerzen. Darüber hinaus wirkt er auf das Immunsystem und hilft auch dabei Blockaden im ‘Gesamtsystem‘ aufzulösen.

Der Punkt Hegu (Dickdarm 4) wird bei uns in der Praxis häufig in die Punktkombinationen eingebracht, z.B. zusammen mit
+ Dickdarm 11 am Ellenbogen bei eitrigen Prozessen in Haut, Nase und Gesicht
+ Leber 3 am Fussrücken bei Anspannung und emotionalen Blockaden
+ Niere 7 an der Achillessehne bei Störungen der Schweissproduktion
+ Magen 41 am Fussgelenk bei Zahn-Mundproblemen, ggf. begleitend zur Zahnarzt- Behandlung
+ Di 7 bei Blockaden im Schultergelenk
+ Dickdarm 20 bei verstopfter Nase

Die genauere Lokalisation der Punkte können wir Ihnen gerne in der Sprechstunde zeigen- zur Selbstbehandlung können Sie diese ‚Energie-Höhlen‘ in akuten Situationen ruhig mehrmals täglich kreisend massieren.