Newsletter Dezember 2025

Weihnachtszeit-Ruhezeit?....eine Gelegenheit an dieser Stelle einmal nachzudenken über „Ruhe“: Nichtstun, Langeweile, Couch, vor sich hin dämmern, dösen, faul sein. Nicht effektiv sein...das passt alles so überhaupt nicht in die heutige Zeit. Es wird nicht geschätzt, es hat keinen Wert. Aus Sicht der chinesischen Medizin leben wir fast ausschliesslich im „Yang“. Gefordert wird Aktivität, immerwährende Präsens, Kreativität und Produktivität - das sind die Anforderungen, die das tägliche Leben in Beruf und Familie an uns stellt. Da unsere Lebenszeit und unsere Kapazitäten nun einmal begrenzt sind, habe wir immer weniger Zeit für „die andere Seite der Medaille“: Dem Auffüllen von Reserven, dem tatsächlichen oder imaginären „Füttern“  von entstandenen Defiziten. Nicht zuletzt hat uns die jede Wirtschaftskrise gezeigt, wenn Systeme über ihre Verhältnisse leben und Schuldenberge anhäufen. Das Erhalten eines Gleichgewichts zwischen Yin und Yang, zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen „Ausgaben“ und „Einnahmen“ ist ein Naturgesetz - die Missachtung führt zu Erschöpfung, zum „Burnout“, vielfältigen körperlichen und seelischen Störungen und ernsthaften Erkrankungen.
Geniessen wir also die dunkle Zeit des Jahres, erfreuen uns an der Helligkeit des Schnees und halten uns vor Augen, dass die Natur umso kräftiger und gesünder in einigen Wochen zum Leben erwacht, desto ausgeprägter diese winterliche Ruhezeit beschert wurde.  Gönnen wir uns etwas Faulsein und Langeweile....:
»Zugunsten der Müssigen — Zum Zeichen dafür, dass die Schätzung des beschaulichen Lebens abgenommen hat, wetteifern die Gelehrten jetzt mit den tätigen Menschen in einer Art von hastigem Genusse, so dass sie also diese Art, zu geniessen, höherzuschätzen scheinen als die, welche ihnen eigentlich zukommt und welche in der Tat viel mehr Genuss ist. Die Gelehrten schämen sich des otium. Es ist aber ein edel Ding um Musse und Müssiggehen. - Wenn Müssiggang wirklich der Anfang aller Laster ist, so befindet er sich also wenigstens in der nächsten Nähe aller Tugenden; der müssige Mensch ist immer noch ein besserer Mensch als der tätige. « [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erster Band. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 4586

Leben Sie mit der Zeit!


Beleibte Typen“ - und Möglichkeiten zur Regulierung des Körpergewichts

Jeder Mensch ist anders, jeder reagiert auch anders auf Strategien zur Erhaltung der Gesundheit. Man kann aber probeweise und ganz grob die Menschen, die mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben, in verschiedene Typen einteilen:
Da gibt es den „fleischigen Typ“. Der Körper ist fest und fleischig. Oft sind dies grosse, „stattliche“, voluminöse und robuste Typen. Tendenziell neigen sie eher zu Verstopfung, haben oft einen trockenen Mund, wenig Speichel und schwitzen leicht. Meist haben diese Menschen grossen Hunger und viel Durst. Sie wissen genau, woher die Pfunde kommen: Sie essen gerne grosse Portionen! Die Zunge ist recht rot und mit einem gelben Belag bedeckt. Für diese Typen ist für die Entschlackung und Reinigung vielleicht eine kurze Fastenkur angesagt. In jedem Fall sollen Sie viel trinken und langfristig (!) für regelmässigen Sport sorgen- der Stoffwechsel stellt sich bereits nach einigen Wochen auf den erhöhten Bedarf ein- dann können Sie vielleicht weiter gut essen...
 
Der „wohlgenährte Typ“ ist eher klein, untersetzt mit üppigem Bauch, aber festem Körper. Auch er hat grossen Hunger, fühlt sich nach dem Essen aber oft voll und unwohl. Aufstossen bringt ihm Erleichterung und von der Verdauung her neigen diese Menschen eher zur Verstopfung. Frauen leiden unter Menstruationsschmerzen. Bei diesen Menschen fühlt sich alles gestaut an, es kommt auch zu Verspannungen, Krampfadern und Hämorrhoiden. Die Zunge ist häufig dunkelrot mit einer Tendenz zum Bläulichen, die Adern unter der Zunge sind stark geschwollen. Für diesen Menschentyp ist Bewegung das „A und O“, und zwar Ausdauersport in jeder Form und Intensität, von Spazierengehen bis Radfahren. Regelmässig 2-3x/Woche und auch langfristig! Die Ernährung sollte leicht verdaulich sein, wenig Fett und keine Rohkost. Das Frühjahr sollte man dann mit 1-4 Wochen vegetarischer Kost beginnen, also kein Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Eier - und auch keinen Alkohol!
 
Beim „wabbeligen Typ“ handelt es sich um Menschen mit einem schlechten Bindegewebe, die beim Zunehmen immer weicher und „wabbeliger“ werden. Sie fühlen sich schwer und kraftlos, wenig leistungsfähig, oft kurzatmig und leiden schon bei kleinen Anstrengungen unter Herzklopfen. Ständig haben sie kalte Füsse, frieren insgesamt leicht, neigen zu Wassereinlagerungen und eher weichem Stuhl. Meist essen diese Menschen gar nicht viel, aber das Gewicht stagniert und beim „kleinsten Fehltritt“ ist schon wieder ein Pfund mehr auf der Waage. Der Typische „schlechte Verbrenner“. Die Zunge ist eher blass, gross, Zahneindrücke sind an den Seiten zu sehen und der Belag sieht etwas schmierig aus. Der wichtigste Rat für Sie, wenn Sie so ein „Typ“ sind: keine Milchprodukte und keine Rohkost - zumindest für 2-3 Monate. Wenn es Ihnen dann grundlegend besser geht, bleiben Sie auch langfristig bei dieser Ernährungsweise. Vielleicht vertragen Sie auch bestimmte Getreidesorten wie Weizen nicht? Fasten bringt nichts, wohl aber schon morgens eine warme, kräftige und gut verdauliche Mahlzeit („Kraftsuppe“) und Bewegung jeglicher Art- vielleicht Yoga?
 
Und nun noch ein paar grundsätzliche Anmerkungen und Worte zur richtigen Ernährung und Bewegung. Das Entscheidende aus Sicht der chinesischen Medizin ist, dass Sie über Kraft (=Qi) und Lebensfreude verfügen. Ein „Körpergewicht“ ist recht abstrakt, berücksichtigt nicht Muskel- und Knochenmasse und alle Abnehm-Konzepte ignorieren vor allem das Verdauungssystem, also wieviel Energie überhaupt aus der Nahrung gewonnen wird. Sie können auch mit einigen Kilo mehr fit und gesund sein, sich wohl und vital fühlen und ohne grosse Leiden sehr alt werden Obwohl es enorm schwer ist- lassen Sie sich nicht durch den Zeitgeist der „Waschbrettbäuche“ irritieren. Und denken Sie bei all den Schönheitsidealen daran: ernste Krankheiten zeigen sich im Gewichtsverlust, es ist also nicht immer ein gutes Zeichen, wenn man Pfunde verliert.... Und wenn Sie schon etwas „gereifter“ sind, denken Sie daran, dass eine gewissen Gewichtszunahme im Lauf der Jahre auch normal ist - es werden eben Reserven angesammelt.


Ein kleiner Check - ist Ihre Leber dem möglichen Weihnachtsstress gewachsen?
Leiden Sie unter:
·     Akne, Hautunreinheiten, Nesselsucht oder juckende Haut?
·     PMS, Menstruations-oder Wechseljahresbeschwerden
·     Wärmegefühl am Oberkörper, vor allem heisses Gesicht oder heisse Augen?
·     Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, besonders nach dem Essen fetthaltiger Lebensmittel?
·     Schwierigkeiten bei der Fettverdauung?
·     Schwachen Sehnen, Bändern oder Muskeln?
·     Kopfschmerzen an den Schläfen oder am Scheitel?
·     Appetitlosigkeit bei Stress? Latente Übelkeit?
·     Wachen Sie nachts in der Zeit von 01.00 Uhr bis 03.00 Uhr immer wieder auf?
·     Nackenverspannungen?
·     Problemen vor allem am Wochenende oder in Langeweile-Phasen?
·     (unmotivierten) Wutausbrüchen? Verspüren Sie oft Gereiztheit oder Wut?
·     Depressionen, vor allem ein dauerndes Frustrationsgefühl?
 
Dann ist es sehr gut möglich, dass Ihre Leber etwas überstrapaziert ist. Aus Sicht der TCM reguliert die Leber vor allem das Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung, und besonders in Druck-Situationen kommt es dann zu Beschwerden.
Was Sie selber tun können, um die Leber zu entlasten: Spaziergänge, Joggen, Walken oder Radeln - mindestens 30-60 Minuten; leicht verdauliche Kost ohne viel Fett und vor allem kleine Portionen; und Prioritäten setzen- was ist eigentlich wichtig für Sie?


Akupunktur und TCM bei Müdigkeit


Die häufigsten Ursachen für chronische Müdigkeit sind Stress, Überarbeitung, Schlaflosigkeit, Depression und verschiedene Störungen in den grossen Funktionssystemen des Körpers (Hormon-, Herz-Kreislauf, Verdauung, etc.). Was der westlichen Medizin entschieden fehlt, sind sichere und effektive Behandlungsmöglichkeiten - von nebenwirkungsreichen Antidepressiva abgesehen. Recht selten kommt es vor, dass dem Patienten eine Beratung zu Ernährung, Bewegung und Schlaf angeboten wird. Dabei gibt es viele hervorragende alternative Behandlungsmöglichkeiten wie Akupunktur, Kräuter, Ernährung und Bewegungsstrategien.
Akupunktur

Die Mehrheit der Patienten, die von Müdigkeit geplagt sind, leiden unter einem Mangel an Lebensenergie (Qi). Qi ist die Energie, die jede physiologische und neurologische Funktion gewährleistet. Abgesehen von Müdigkeit sind andere Zeichen von Qi-Mangel Durchfall, Blässe, leichte Blutergüsse, übermässiger Schlaf (mehr als 9 Stunden pro Nacht), spärliche Menses oder Amenorrhoe, häufiges Wasserlassen, geringe Libido und Kurzatmigkeit. Moxibustion, eine lokale Wärmetherapie, wird häufig als eine effektive Ergänzung zu den Akupunkturnadeln verwendet. Dies bedeutet glimmenden Beifuss auf den Nadeln oder -vorsichtig!- direkt auf der Haut zu verbrennen. Ich empfehle wöchentliche Akupunktur und Moxa-Behandlungen in einem Zeitraum von etwa 4-6 Wochen, dann sollte sich schon etwas getan haben. Kräuter

Qi-Mangel betrifft vor allem 4 verschiedene Organe: die Milz, Niere, Herz und Lunge. Hier finden Sie die Symptome und pflanzlichen Behandlungsmöglichkeiten für jedes Muster - aber besorgen Sie sich jetzt nicht die Rezepturen aus dem Internet! In der Regel ist eine genaue Diagnose nötig, und dann werden die Standard-Rezepturen auf Sie persönlich „zugeschnitten“. Chinesische Kräuter sind sehr wirksam....:
Milz: Durchfall, weicher Stuhl, Blähungen, Blutergüsse, Müdigkeit, Prolaps, leiernde Sprache; Rezeptur: Bu Zhong Yi Qi Tang
Nieren: Schmerzen im unteren Rücken, geringe Libido, Müdigkeit, innere Kälte, häufiges Wasserlassen; Rezeptur: Jin Gui Shen Qi Wan
Herz: unruhiger Schlaf, Angst, Müdigkeit, Herzklopfen, Kurzatmigkeit; Rezeptur: Gui Pi Tang
Lunge: chronischer Husten, Immunschwäche, Allergien, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Asthma; Rezeptur: Bu fei tang Übungen:Laufen, Radfahren, Schwimmen, Wandern, Yoga, Tai Chi oder Qi Gong.
Herauszufinden, wo das Energie-Leck ist....

Berufliche Situation, Beziehung, Familie, lange Erkrankungen oder Verausgabungen?

Auf den Punkt gebracht: Bai Hui - der höchste Punkt
Das Wichtigste in der Chinesischen Medizin, sei es nun die Heilpflanzenkunde oder die Akupunktur, ist die Vorstellung von ‚Qi‘, der Lebenskraft. Sie kann mit den Heilmethoden gelenkt werden, je nachdem, wo sie gerade ‚gebraucht wird‘. Der Punkt Du Mai 20, Bai Hui (=100 Vereinigungen) liegt ganz oben auf dem Kopf, auf der Verbindungslinie zwischen den beiden Ohrspitzen. Der Punkt kann geklopft (Zeige- oder Mittelfinger) oder bei uns genadelt werden. Er leitet so das Qi nach oben, wie z.B. bei Konzentrationsstörungen. Oder hebt es noch weiter an- der Punkt wirkt dann auch hervorragend, wenn es um die Hebung der inneren Organe geht, also bei Senkungen z.B. des Uetrus. Oder bei Hämorrhoiden. Wenn man den Punkt ‚sedierend‘ behandelt wie z.B. mit schnellen Vibrationen der Finger, so kann er auch den Kopf frei machen von unruhigen Gedanken und Sorgen.

Der Punkt Bai Hui wird bei uns in der Praxis häufig in die Punktkombinationen eingebracht, z.B. zusammen mit
- Leber 3 bei Anspannung und Wut
- Milz 6 bei einer Senkung der Gebärmutter, aber auch bei Konzentrationsstörungen
- Magen 36 bei Unruhe und Schlafstörungen

Die genauere Lokalisation der Punkte können wir Ihnen gerne in der Sprechstunde zeigen- zur Selbstbehandlung können Sie diese ‚Energie-Höhlen‘ in akuten Situationen ruhig mehrmals täglich kreisend massieren.